Im Rahmen von SketchCity Rotterdam besuchen wir FENIX, das neue Kunstmuseum über Migration in Rotterdam. Der Ort selbst ist Teil der Erzählung: FENIX befindet sich in einer ehemaligen Hafenhalle auf Katendrecht, mit Blick auf die Kais, von denen Millionen Menschen aufgebrochen sind oder in Rotterdam angekommen sind.
Für unsere Leitfrage What are the challenges of the future liveable city? ist FENIX ein zentraler Ort. Denn eine lebenswerte Stadt entsteht nicht nur durch Architektur, Infrastruktur, Mobilität oder gutes Design. Sie entsteht auch durch die Geschichten der Menschen, die kommen, bleiben, weiterziehen, zurückblicken, neu anfangen oder ein Zuhause suchen.
We do not draw what the city looks like. We draw how the city moves, remembers and receives.
FENIX zeigt Migration nicht als Randthema, sondern als Grundbedingung der Stadt. Rotterdam ist eine Hafenstadt, eine Ankunftsstadt, eine Durchgangsstadt. Menschen, Waren, Sprachen, Gerichte, Erinnerungen, Bilder und Lebensentwürfe haben diese Stadt geprägt. Eine future liveable city muss deshalb auch eine Stadt sein, die mit Bewegung umgehen kann: mit Nähe und Distanz, mit Verlust und Hoffnung, mit Zugehörigkeit und Fremdheit.
Mit Sketch&Draw nähern wir uns diesen Fragen zeichnerisch. Wir zeichnen nicht nur Gebäude, Strassen und Plätze. Wir zeichnen Spuren von Bewegung, Übergänge, Schwellen, Blickachsen, Begegnungen und Brüche. Eine Skizze kann sichtbar machen, was in der Stadt oft übersehen wird: Wer darf ankommen? Wer bleibt unsichtbar? Wo entstehen Gemeinschaften? Wo wird Erinnerung aufbewahrt? Wo wird eine Stadt offen – und wo verschliesst sie sich?
Besonders eindrücklich ist das Kofferdoolhof, ein Labyrinth aus rund zweitausend Koffern. Jeder Koffer ist mehr als ein Objekt. Er steht für eine Reise, eine Entscheidung, einen Abschied, einen Neuanfang. Für SketchCity wird der Koffer damit zu einer zeichnerischen Aufgabe: Wie zeichnet man Erinnerung? Wie zeichnet man das, was jemand mitnimmt – und das, was zurückbleibt?
Auch die Architektur von FENIX ist Teil dieser Frage. Der Tornado, die grosse Treppe von MAD Architects, führt durch das Gebäude nach oben zu einem neuen Blick auf Rotterdam. Er ist Aussichtspunkt, Bewegungsskulptur und Symbol zugleich. Wer hinaufgeht, verändert die Perspektive: auf die Stadt, auf den Hafen, auf Geschichte und Gegenwart.
FENIX hilft uns, Rotterdam nicht nur als Design- und Architekturstadt zu lesen, sondern als Stadt der Wege, Stimmen und Biografien. Die Herausforderung der future liveable city liegt hier nicht in einer perfekten Form, sondern in der Fähigkeit, Vielfalt, Bewegung und Erinnerung aufzunehmen.
Mehr über das Museum auf Arte.tv https://www.arte.tv/de/videos/128166-000-A/das-neue-museum-fenix-in-rotterdam/